"Versorgung muss anders organisiert werden"
Value-based health care Titelfolie

© Dr. Clemens Guth

Nutzenorientiertes Gesundheitssystem

„Versorgung muss anders organisiert werden.“

Bessere Ergebnisse zu niedrigeren Kosten? Das wäre nicht nur zu wünschen, das ist im Gesundheitswesen ganz konkret zu erwarten. Weil bessere Ergebnisse in der Krankheitsbehandlung

und Gesundheitsförderung die Menschen schneller genesen lassen und gesünder machen.

Und weil gute (Ergebnis-) Qualität auf Dauer ökonomischer ist, indem sie Folgekosten mindert und Ressourcenverschwendung vermeidet.

Dr. med. Clemens Guth studierte Medizin am Imperial College London.

Im Anschluss war er als Assistenzarzt im Universitätsklinikum Chelsea & Westminster Hospital tätig. Der Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes ist Senior Institute Associate an der Harvard Business School, wo er den MBA-Titel erwarb und gemeinsam mit Prof. Michael Porter auf dem Gebiet der „Nutzen-orientierten Gesundheits-systeme“ arbeitete. Guth war mehrere Jahre für McKinsey & Company als Berater für Krankenhäuser tätig. Heute ist er Geschäftsführender Direktor bei den Artemed Kliniken.

Warum das so ist und wo das schon heute in Deutschland beispielhaft funktioniert oder zumindest in Ansätzen versucht wird, ist dem Buch „Chancen für das deutsche Gesundheitssystem: Von Partikularinteressen zu mehr Patientennutzen“ (PDF mit Auszügen; 0,2 MB) zu entnehmen, das im Originaltitel „Redefining German Health Care: Moving to a Value-Based System“ heißt. Clemens Guth hat es zusammen mit dem Harvard-Ökonomen Michael Porter verfasst.

Beim 10. Berliner Gesundheitsfrühstück beeindruckte Herr Guth

mit seinem Impulsreferat „Value-based health care: Bessere Ergebnisse zu niedrigeren Kosten – Fiktion oder messbare Realität?“ (PDF; 0,7 MB) nicht nur durch die gut verständliche und kompakte Präsentation seiner Erkenntnisse, sondern auch durch die gelebte Verbindung von Wissenschaft und Praxis, wie in der

anschließenden Diskussion deutlich wurde.

 

Nachgefragt bei Clemens Guth:

Frage: Herr Guth, hierzulande wird immer noch häufig die Meinung vertreten, Deutschland habe eines der besten, wenn nicht das beste Gesundheitssystem der Welt. Trifft das tatsächlich zu?

Guth: In vielen Bereichen ist Deutschland hinsichtlich der Ergebnisse der Gesundheitsversorgung nur solides Mittelmaß, etwa im Bereich der Säuglingssterblichkeit oder bei diversen Krebserkrankungen. Insbesondere in Anbetracht des hohen betriebenen Aufwands bleibt Deutschland hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Warum ist das so?

Guth: Grund für das mittelmäßige Abschneiden ist vor allem die hohe Spreizung der Ergebnisqualität, die schon vor über 10 Jahren vom WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK – Anm. d. Red.) veröffentlicht wurde. Das Leistungsangebot ist zu breit, die Erfahrung der Leistungserbringer mit einzelnen Krankheitsbildern oft gering. Im Durchschnitt behandeln die Krankenhäuser nur 28 Fälle pro vereinbarter DRG pro Jahr. Wir müssen die Versorgung in Zukunft anders organisieren: Es bedarf einer konsequenten Ausrichtung auf den Patienten-nutzen anstatt auf eine Kostenreduktion per se.

Wichtiger als die Diskussion um Beitragssatz und Struktur der Versicherungen ist der Fokus auf die Struktur der Leistungserbringung – um das Krankheitsbild des einzelnen Patienten herum – und die erzielte Ergebnisqualität, nach der sich auch die Vergütung bemessen sollte. Die Ergebnismessung ist ein noch junger Zweig, da sie in den letzten 50 Jahren praktisch nicht berücksichtigt wurde. Es wird wohl noch etwa 20 Jahre dauern, bis wir darin richtig gut sind. Wir sollten jetzt keine Zeit mehr verlieren und auch in Deutschland auf breiter Basis damit anfangen. Jeder Akteur ist für die notwendige Kultur der kontinuierlichen Verbesserung selbst verantwortlich. db

Deutsche Gesellschaft für Gesundheit e.V. (DEUGE) © Alle Rechte vorbehalten. Start Über uns Kontakt Datenschutz Impressum